15.03.2016 Nach den Wahlen: Wird Baden-Württemberg digitaler Spitzenreiter?

Von Alf Henryk Wulf, Bitkom-Landessprecher in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg steht nach einem historischen Wahlsonntag vor der Bildung einer neuen Landesregierung. Die schlechte Nachricht ist das Abschneiden der AfD. Das Erstarken rechtspopulistischer Parteien und der Zuspruch für nationalistische Positionen können der deutschen Wirtschaft massiven Schaden zufügen. Die gute Nachricht: Das Thema Digitalisierung wird ein Schwerpunkt in möglichen Koalitionsverhandlungen sein – egal, in welcher Konstellation. Bündnis90/Die Grünen, CDU, SPD und die FDP haben in ihrem Wahlprogrammen deutlich gemacht, dass die Digitale Transformation im „Ländle“ ein Erfolg werden soll – mit Nutzen für die Bevölkerung und enormen Potenzialen für Wohlstand und Wertschöpfung. Dabei haben alle Parteien die zentralen Herausforderungen im Blick: Breitbandausbau, Veränderung der Arbeitswelt, digitale Bildung als Voraussetzung für die digitale Gesellschaft der Zukunft oder die digitale Transformation der Wirtschaft. Welche Maßnahmen aus Sicht des Bitkom für die bevorstehende Legislaturperiode notwendig sind, hat Bitkom in einem Positionspapier zusammengetragen. In den kommenden Jahren muss die Digitalisierung weiter konsequent und mit hohem Tempo durch die Politik gefördert werden.

Gesamte Wirtschaft wird digital
Denn der digitale Wandel erfasst immer mehr Branchen, für die Deutschland weltbekannt ist und bei denen Baden-Württemberg eine Spitzenposition einnimmt – vom Maschinenbau, über die Automobilindustrie bis hin zur Elektrotechnik. Technologien, Prozesse und Geschäftsmodelle werden digital transformiert – unser Land steht vor neuen Herausforderungen. Die Avantgarde der baden-württembergischen Wirtschaft hat das erkannt. Flaggschiffe wie SAP, Bosch, Daimler, Trumpf und Wittenstein wissen, wie man industrielle Prozesse dem digitalen Zeitalter anpasst.

Doch das reicht nicht aus. Es geht dabei nicht nur um die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit Baden-Württembergs. Vielmehr kommt dem Land als führendem Wirtschaftsstandort sowie als Sitz zahlreicher Großunternehmen und Hidden Champions aus dem Mittelstand eine internationale Vorreiterrolle zu. Um unsere globale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und auszubauen, muss also die gesamte Breite der Wirtschaft in Baden-Württemberg in den Blick genommen werden. Die von der Grün-Roten Landesregierung ins Leben gerufene Initiative „Allianz Industrie 4.0“ ist ein gutes Beispiel, um KMU als wesentliche Teile der Wertschöpfungsketten einen Technologietransfer zu ermöglichen und Orientierung zu bieten. Baden-Württemberg sollte seine Position als industrielle Leitregion durch die effektive Zusammenarbeit von internationalen Industrieunternehmen, erfolgreichen Mittelständlern und innovativen Gründern weiter stärken.

Keine digitale Transformation ohne Ausbau digitaler Bildung
Die Landesregierung sollte daher die Entwicklung von strategischen und innovativen Technologien und Diensten fördern, damit diese in die internationalen Märkte getragen werden können. Die kontinuierlich wachsende Digitalwirtschaft wiederum ist Enabler und damit zentraler Akteur dieser Transformation. Gleichwohl sind gut ausgebildete Fachkräfte in allen Branchen essentiell, um auch in den kommenden Jahrzehnten an der Spitze zu bleiben. Schon heute muss mit einer zukunftsorientierten Bildungspolitik die Grundlage gelegt werden. Der Einsatz digitaler Technologien und Inhalte sollte für alle Lehrer und Schüler selbstverständlich werden. Digitale Bildung muss in allen Schularten dringend gestärkt und ausgebaut werden – sicherlich eine der zentralen Aufgaben der neuen Landesregierung.

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Alf Henryk Wulf

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