16.03.2015 Kanäle aus Glasfaser

Vor ein paar Monaten besuchte uns der chinesische Wirtschaftsminister in der Bitkom-Geschäftsstelle. Es ging um Industrie 4.0. „In China“, sagte er, „in China sind wir noch bei Industrie 2.0.“ Da mochte man tief ausatmen und entspannen. Ja, bei Industrie 4.0 legen wir vor. Der Minister hatte dann aber noch einen Nachsatz: „In China werden wir Industrie 3.0 überspringen. Wir machen gleich 4.0"

Die Anekdote zeigt, dass wir mit China genau das richtige Partnerland für eine CeBIT mit dem Motto „d!conomy“ gewählt haben. Denn bei der digitalen Transformation – der Vernetzung von allem mit allem – wird China eine Schlüsselrolle spielen.

Vor etwa eineinhalb tausend Jahren erlebte China ein Goldenes Zeitalter mit wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Treiber waren neben der politischen Einigung die Errichtung von Kanälen, auf denen die Waren transportiert werden konnte sowie eine Beamtenkaste, die das Riesenreich klug gesteuert hat.

Heute – da bin ich mir sicher – steht ein neues Goldenes Zeitalter für China an. Die Kanäle sind nicht mehr aus Wasser, sondern aus Glasfaser, die Akteure sind mutige und innovative Unternehmer wie Jack Ma, den wir gestern gehört haben.

Sie schaffen eine enorme Dynamik, die die Welt seit Jahren beeindruckt. Der Umsatz mit Produkten und Diensten der Informationstechnologie und Telekommunikation in der Volksrepublik wird 2015 um elf Prozent auf mehr als 350 Milliarden Euro zulegen.

Von solchen Zahlen können wir hierzulande natürlich nur träumen. Der ITK-Markt in den USA ist um 3,3 Prozent gewachsen, in der EU beträgt der Anstieg nur 0,4 Prozent. Der deutsche ITK-Markt entwickelt sich da etwas besser. Für 2015 rechnen wir wieder mit einem Plus von 1,5 Prozent auf rund 156 Milliarden Euro.

1,5 Prozent, das ist ein Durchschnittswert. Wenn wir in die einzelnen Segmente schauen, sehen wir eine große Spreizung. Während die Umsätze mit klassischer Unterhaltungselektronik und Telekommunikationsdiensten weiter rückläufig sind und das Geschäft mit Telekommunikationsendgeräten wie Smartphones und IT-Hardware nur leicht wächst, sehen wir ein überdurchschnittliches Wachstum bei IT- Dienstleistungen und Software mit Wachstumsraten von drei und fast sechs Prozent. Kurz: Die klassische IT ist weiterhin ein Wachstumstreiber in Deutschland.

Das zeigen nicht nur die Umsatzzahlen, dafür stehen vor allem über 100.000 neue Arbeitsplätze, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind. Damit sind Informationstechnologie und Telekommunikation zusammen der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber hierzulande, knapp hinter dem Maschinenbau, aber deutlich vor Branchen wie dem Automobilebau oder der chemischen Industrie. Und dieser Trend zu mehr Beschäftigung wird sich aller Voraussicht nach fortsetzen. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen aus der Informationstechnologie und Telekommunikation erklären, 2015 zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Ein Garant für die Sicherheit von Arbeitsplätzen sind stabile internationale Absatzmärkte. Und da wären wir wieder bei unserem Gastland. China ist für Deutschland seit Jahren mit großem Abstand das bedeutendste Lieferland für ITK-Produkte. Aus der Volksrepublik wurden im vergangenen Jahr ITK-Produkte im Wert von fast 22 Milliarden Euro eingeführt. Die Bedeutung Chinas sieht man mit dem Blick auf den Zweitplatzierten in dieser Außenhandels-Rangliste: Aus den Niederlanden kamen ITK-Produkte für 3,5 Milliarden Euro.

Unsere Länder wechseln sich regelmäßig als Exportweltmeister ab. Wir schaffen es besser als alle anderen, die Welt von der Qualität unserer Produkte zu überzeugen. Aber: Länder, die weltweit Produkte exportieren, müssen ihre Inlandsmärkte in gleicher Weise öffnen. Handelshemmnisse sind Gift für Wachstum. Der deutsche Markt ist für chinesische Unternehmen absolut offen. Ich hoffe, dass die chinesische Volkswirtschaft bald auch genauso uneingeschränkt von deutschen Herstellern und ihren Produkten profitieren kann.

Deshalb sollten wir unsere Partnerschaft verstärken und über das Win-win der Digitalisierung reden.

Dafür ist die CeBIT genau der richtige Ort.

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Prof. Dieter Kempf

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