13.03.2015 „Es tut sich eine Menge“

Bis 2018 sollen in Deutschland flächendeckend Breitband-Anschlüsse mit 50 Mbit/s vorhanden sein. Im Vorfeld des Breitbandgipfels auf der CeBIT sprachen wir mit Sigurd Schuster, Projektleiter der Breitband-Initiative und bei Nokia Networks verantwortlich für die Technologie-Strategie, zum Stand der Umsetzung und den nächsten Schritten.

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Zitat

„Die Bedeutung einer leistungsfähigen festen und mobilen Breitband-Infrastruktur ist in der deutschen Politik und Öffentlichkeit angekommen“

Sigurd Schuster

Herr Schuster, was hat sich seit dem letzten Breitbandgipfel beim Breitbandausbau in Deutschland getan?

Eine ganze Menge: Die Versorgung mit Breitbandanschlüssen mit mindestens 50 Mbps ist auf rund 65 Prozent gestiegen. Auch im ländlichen Raum konnte ein Zuwachs der 50 Mbps-Anschlüsse von rund 30 Prozent erzielt werden. Das ist sehr erfreulich, denn die Versorgung mit Breitband ist hier aus finanzieller Sicht besonders herausfordernd: Die Investitionskosten übersteigen den Ertrag wegen der geringen Anzahl der Nutzer um ein Vielfaches.

Wer trägt diese Zusatzkosten?

In erster Linie die Netzbetreiber, sie haben hier bisher signifikante Investitionen getätigt. Aber auch die Politik steuert ihren Teil bei: Im 2. Quartal 2015 wird das 700MHz Band versteigert. Die Einnahmen aus den Versteigerungen sollen für den weiteren Netzausbau verwendet werden. Außerdem erwarte ich auch von der regionalen Breitbandförderung wie sie z.B. Bayern in wirklich nennenswertem Umfang gestartet hat, einen neuen Ausbau-Schub.

Mit der Breitband-Strategie hat sich die Bundesregierung wichtige Ziele für 2018 gesetzt. Was muss bis dahin noch getan werden?

Zunächst einmal herrscht Einigkeit über den Weg zum Ziel. Denn eines ist klar: Damit wir bis 2018 bei einer vollständigen, also flächendeckenden Versorgung mit mindestens 50 Mbps ankommen, brauchen wir einen Technologiemix aus Glasfaser, Aufrüstung der Kupferkabel mit VDSL Vectoring, Breitbandkabel, und Mobilfunk mittels LTE-Advanced. Damit ist sichergestellt, dass sowohl das Timing stimmt, wir also rechtzeitig fertig werden, als auch die Kosten nicht explodieren. Das müssen wir jetzt umsetzen.

Wozu der Technologiemix, warum können nicht alle durch schnelle Glasfaserleitungen versorgt werden?

Einige Haushalte sind einfach zu abgelegen für leitungsgebundene Breitbandlösungen, dort wäre das Verlegen von Glasfasern wirtschaftlich nicht vertretbar. Hier bietet LTE-Advanced die Möglichkeit, diese Haushalte kostengünstig mit Frequenzressourcen im 700 und 800 MHz Band zu versorgen. Die dafür eingesetzten hochleistungsfähigen Funkstationen werden per Glasfaser an die Netze angeschlossen – genauso wie auch die Netzknoten, die DSL Vektoring über die bestehenden Kupferkabel bereitstellen. Bildlich gesprochen bringen also Mobilfunk und Vectoring die Glasfaser ins Dorf. Außerdem wäre ein schneller genereller Austausch aller bestehenden Kupfer- und Breitbandkabelanschlüsse durch Glasfaser extrem teuer.

Der Ausbau umfasst ja nicht nur private Haushalte. Wie sieht es in den Gewerbegebieten aus?

Wenn man einmal Glasfaser im Ort hat, eröffnet man damit Möglichkeiten, z.B. das Gewerbegebiet direkt mit Glasfaser zu versorgen, während man den Dorfkern mit VDSL Vectoring erschließt. Ohne Frage, eine leistungsfähige Breitband-Infrastruktur ist für Industrie, Gewerbe und Verwaltung essentiell. Das gilt übrigens auch für eine flächendeckende mobile Breitbandversorgung: Sie ebenso wesentlich wie die Verfügbarkeit von festen Breitband-Anschlüssen.

Wie sieht Ihr Fazit des bisherigen Ausbaus aus?

Insgesamt können wir zufrieden sein: Die Bedeutung einer leistungsfähigen festen und mobilen Breitband-Infrastruktur ist in der deutschen Politik und Öffentlichkeit angekommen. Ich sehe uns für 2018 auf einem vielversprechenden Weg, den wir nun konsequent weiterverfolgen müssen.

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