23.04.2015 Von der Taschenuhr zur Smartwatch oder: Warum ein Blick bald genügt

Vier von zehn Deutschen können sich vorstellen, eine Smartwatch zu nutzen. Diese Zahlen sind vielversprechend. Sie zeugen von einem großen Bedürfnis, das Smartphone öfter einmal in der Tasche zu lassen und sich mit einem Blick auf das Handgelenk über neue Mails oder eingehende Nachrichten zu informieren. Dieser Wunsch ist nicht neu.

Vor rund 200 Jahren erfinden unsere französischen Nachbarn die Armbanduhr. Sie zählt zu den ersten mechanischen Erfindungen, die mobil am Körper getragen werden. Ihre massenhafte Verbreitung beginnt jedoch erst im 20. Jahrhundert und weist Parallelen zum vernetzbaren Nachfolger auf. Die Armbanduhr tritt ihren Siegeszug nämlich erst an, als es vielen zu umständlich ist, jedes Mal die Taschenuhr hervorzuholen. Auf einen Blick wollen zuerst Soldaten und Piloten ihre Zeitinformationen sehen, wenig später auch andere Berufs- und Bevölkerungsgruppen.

Anfang der 1970er Jahre dann der nächste große Schritt: Die erste digitale Uhr kommt auf den Markt. Statt des klassischen Ziffernblattes sind jetzt digitale Zahlen und zweifarbige Displays im Kommen. Als zehn Jahre später die Personal Computer (PC) massentauglich werden, setzt sich die Uhrenindustrie ein neues Ziel: Die Uhr soll Funktionen des Computers ans Handgelenk bringen. Und so entwickeln die Hersteller Geräte, die etwas können, das Anfang des Jahrhunderts noch unvorstellbar war: Vom mobilen Wecker über eine Taschenrechnerfunktion bis hin zur Stoppuhr wird aus dem Zeitanzeiger ein kleiner Alleskönner.

1994 schließlich bringt die amerikanische Tochter der dänischen Timex Group eine Armbanduhr auf den Markt, die eine wichtige Eigenschaft „smarter“ Geräte besitzt: Die Datalink überträgt kabellos Daten, wie etwa Termine oder Kontakte, vom Computer auf die Uhr. Trotzdem ist die Nachfrage nach der intelligenten Uhr zunächst gering. Die wenigsten interessieren sich für ein eher unmodisches Modell, das um die Jahrtausendwende im Durchschnitt 400 US-Dollar kostet. Hier stoppt vorerst der Siegeszug der Smartwatch.

Stattdessen erobert ein anderer mobiler Alleskönner den Massenmarkt: Mit dem Smartphone verbreitet sich die Idee der vernetzten Geräte, mit denen man von überall aus und ohne den heimischen Computer im Internet surft. In weniger als acht Jahren ist dem Smartphone der Durchbruch gelungen. Mehr als 60 Prozent aller Deutschen nutzen heute eines. Ein altes Handy ohne Kamera und Internet besitzt kaum noch jemand. Mobiles Internet und vernetzte Geräte sind, dank des Smartphones, massentauglich geworden. Hier setzen die neuen Smartwatch-Modelle an und bringen das Smartphone-Display ans Handgelenk. Jetzt, da die Technologie die Möglichkeiten bietet, ein alt bekanntes Bedürfnis zu verwirklichen, hat die Smartwatch die besten Chancen zum Durchbruch auf dem Massenmarkt.

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Timm Lutter

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