08.12.2014 Auch der E-Commerce ist nur ein Zwischenschritt

Deutschland war das Heimatland des Versandhandels, dem Vorgänger des Online-Shoppings also. Dennoch: Quelle ist Geschichte, Amazon und Ebay sind Gegenwart. Was bringt die Zukunft? Wird der stationäre Einzelhandel das nächste Opfer des Online-Booms?

Drei von vier deutschen Verbrauchern über 14 Jahren kaufen heute bereits Waren im Internet ein, also fast jeder Internetnutzer. Der Umsatz im Online-Handel wächst mit jedem Jahr, bis 2020 soll er laut HDE rund 20 Prozent des Einzelhandels in Deutschland ausmachen. Warum ist das so? Die einfache Antwort: Komfort und Transparenz. Online einkaufen ist rund um die Uhr und von überall möglich. Preisvergleiche sind nur ein paar Klicks entfernt. Viele Online-Shops bieten zudem ähnlichen und teils sogar besseren Service als im Geschäft: Live-Beratung über Chats und Video, Bewertungen und Empfehlungen von anderen Käufern sowie neuerdings auch Lieferungen am Bestelltag. Nicht zu vergessen ein Rückgaberecht, wie es nur wenige stationäre Händler einräumen.

Der Trend geht nun dahin, dass man nicht nur online einkauft, sondern online nach den eigenen Vorstellungen produzieren lässt. Web-Shops bieten Schuhe mit individuell gefertigtem Fußbett an oder man kann sich seinen Joggingschuh gleich komplett persönlich konfigurieren: Farbe, Material, Größe, Laufeigenschaften. Was mit der eigenen Müslimischung oder dem selbst gestalteten T-Shirt anfing, führt in letzter Konsequenz zu so genannten Lot 1 Größen – dem einmaligen, absolut individuellen Produkt. Über Online-Plattformen wird man zum Entwickler und Designer, zum Konfigurator oder Kreator eigener Produkte. Sie brauchen nicht einmal mehr einen Online-Shop. Sie brauchen nur noch eine Plattform, die den Kunden direkt mit dem Hersteller vernetzt.

Ohnehin umgehen immer mehr Hersteller den Handel insgesamt – ganz gleich ob online oder stationär. Ein herstellereigener Shop heißt zwar noch so, Handel findet dort aber nicht mehr statt. Es werden lediglich die eigenen Produkte direkt an den Endkunden veräußert: Winzer, Teeproduzenten, Maßkonfektionäre, selbst Künstler schließen den Handel komplett aus ihrer Wertschöpfungskette aus und gehen direkt auf die Endkunden zu.

Die Augen vor der neuen, digitalen Einkaufswelt zu verschließen, wie es Quelle getan hat, kann die Existenz kosten. Die Verbraucher wollen sie und werden mit den Füßen abstimmen pardon, mit dem Finger an der Maus – eine typische Disruption, die alte Geschäftsmodelle zerstört und neue entstehen lässt. Ja, für viele Einzelhändler ist die Digitalisierung eine existentielle Herausforderung. Aber zugleich auch ein große Chance: Mit wenig Aufwand können sie aus der lokalen Nische heraus und in den globalen Markt eintreten.

Contact Picture

Dr. Bernhard Rohleder

Diesen Beitrag teilen

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar

* = Pflichtfelder

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich angezeigt

Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatischem Spam vorzubeugen.

Captcha

Bitte geben Sie alle Zeichen ein.

 

Contact Picture

Dr. Bernhard Rohleder