01.02.2017Start-ups – Global Player aus Deutschland ermöglichen

Innovationen sind ein wichtiger Faktor für die Volkswirtschaft und den Wettbewerb - Start-ups in der heutigen Zeit der Motor für innovative Ideen und Geschäftsmodelle. Die wertvollsten Unternehmen unserer Zeit sind allesamt Start-ups aus dem Silicon Valley, die zu riesigen Konzernen angewachsen sind und den Wert von hiesigen, alteingesessen Unternehmen in den Schatten stellen. Auch in Deutschland schaffen Start-ups bereits jetzt viele Arbeitsplätze und sichern im Rahmen der branchenübergreifenden Digitalisierung die technologische Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Die Rahmenbedingungen für die Gründung eines Unternehmens und dessen späteres Wachstum müssen daher weiter optimiert werden.

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Christian Rietz

Referent Start-ups Bitkom e.V.

Status Quo

  • In Sachen Innovationsfähigkeit und Ideenreichtum steht Deutschland Gründernationen wie den USA oder Israel in nichts nach – insbesondere Berlin wird zunehmend in einem Atemzug mit anderen Start-up-Metropolen wie San Francisco, Tel Aviv oder London genannt.
  • Bislang haben es aber wenige deutsche Start-ups geschafft, zu einem „Global Player“ heranzuwachsen, auch die Anzahl der sogenannten „Unicorns“, alsoStart-ups mit einer Milliarden-Bewertung, ist noch überschaubar. Um ein solches Wachstum zu stemmen, fehlt es in Deutschland und in ganz Europa an Wagniskapital, das Finanzierungsrunden in ausreichend großer Höhe erlaubt. Viele Einzelmaßnahmen, die im Rahmen der Digitalen Agenda 2013 angekündigt wurden, hat die Bundesregierung während der laufenden Legislaturperiode umgesetzt. Versprechen wie ein umfassendes Venture Capital Gesetz wurden nicht eingelöst.
  • Die Verkündung der Deutschen Börse im November 2016, ein neues Börsensegment für Start-ups einzurichten, wird den Zugang zum Kapitalmarkt für junge Wachstumsunternehmen im Technologiesektor erleichtern.
  • Der Bundestag verabschiedete Ende November rückwirkend zum 1. Januar 2016 die Neuregelung zur steuerlichen Verlustverrechnung. Künftig bleiben nicht genutzte Verlustvorträge trotz eines qualifizierten Anteilseignerwechsels insbesondere für junge, innovative Wachstumsunternehmen erhalten, wenn diese ihren Geschäftsbetrieb unverändert fortsetzen. Das ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Rahmenbedingungen am Wagniskapitalstandort Deutschland.
  • Auch der Fachkräftemangel stellt zunehmend eine Hürde für Start-ups da: Wie in der Gesamtwirtschaft fehlt es an qualifizierten Programmierern und IT-Fachkräften.
  •  Zudem behindern nach wie vor zahlreiche deutsche Gesetze innovative Geschäftsmodelle – vom Personenbeförderungsgesetz bis hin zum Leistungsschutzrecht.

Ziele

  • Mehr Wagniskapital für Start-ups: Die deutsche Gründerszene hat sich etabliert – nun muss sich auch der Wagniskapitalmarkt in Deutschland so formieren, dass er dem Kapitalbedarf gerecht wird, der mit der Gründung und vor allem dem Wachstum von zahlreichen vielversprechenden Start-ups einhergeht.
  • Mehr digitale Talente: Um den Fachkräftemangel in der Digitalwirtschaft zu begegnen, muss Informatik Teil der schulischen Bildung werden. Zudem muss es noch leichter und unbürokratischer werden, digitale Talente aus dem Ausland zu rekrutieren und einzustellen.
  • Gründergeist und Kultur des Scheiterns: Ein Großteil der jungen Deutschen zieht eine Festanstellung der Gründung eines eigenen Unternehmens vor. Gleichzeitig werden gescheiterte Unternehmungen in Deutschland allgemein kritischer gesehen als in vielen anderen Ländern. Um diese Kultur langfristig zu ändern, muss Unternehmertum als Teil des Bildungssystems in Schulen und Universitäten verankert werden.
  • Mehr Risikobereitschaft: Start-ups brauchen vor allem zahlende Kunden, um sich am Markt etablieren zu können. Staat und Wirtschaft sollten in Zukunft bereit sein, verstärkt auch Aufträge an vielversprechende Start-ups zu vergeben. Start-ups sind hochinnovativ. Gleichwohl ist das öffentliche Auftragswesen allen Bekundungen zum Trotz bisher nicht in der Lage, zu einem attraktiven Geschäftsfeld für diese Unternehmen zu werden. Eine nicht gelöste Herausforderung sind unverhältnismäßig hohe Eignungsanforderungen und übermäßig große Lose.
  • Ökosysteme fördern: Das Silicon Valley ist deswegen so erfolgreich, weil es ein fruchtbares Ökosystem aus etablierten Konzernen, Start-ups, Universitäten und Forschungszentren bietet. Es gilt, ähnliche Ökosysteme auch in Deutschland zu schaffen und zu fördern.

Politische Vorschläge

  • Bedingungen für Wagniskapital optimieren: Um den Anschluss an andere europäische Länder nicht zu verlieren, müssen weitere Anstrengungen unternommen werden, die Rahmenbedingungen für Wagniskapital in Deutschland zu verbessern. Bis heute gibt es zu wenige Venture Capital Gesellschaften in Deutschland, die Anschlussfinanzierungen ab 5 Mio. Euro stemmen können. Zum einen muss das Steuerrecht weiter optimiert werden. Eine Befreiung von der Umsatzsteuer auf die Verwaltungsleistung von Fondsmanagern ist erforderlich. Weiterhin müssen Anreize für institutionelle Anleger geschaffen werden, um Investments in junge Wachstumsunternehmen und VC-Fonds zu ermöglichen bzw. sowohl die Anzahl als auch die Größenordnung signifikant zu erhöhen.
  • Fachkräfte ausbilden und mobilisieren: Das Fach Informatik in der Sekundarstufe I muss flächendeckend eingeführt werden um schon in jungen Jahren Begeisterung für technische Themen zu wecken und Deutschland zu einer Tech-Elite zu verhelfen. Darüber hinaus muss das Zuwanderungsgesetz angepasst werden, um Programmierer und IT-Spezialisten aus dem außereuropäischen Ausland in Deutschland leichter beschäftigen zu können.
  • Unternehmertum lehren: Um langfristig mehr Menschen für eine Unternehmensgründung zu begeistern, muss das Thema Einzug in Lehrpläne halten. In der Schule braucht es einen stärkeren wirtschaftlichen Bezug durch die Präsenz von Gründern im Unterricht z.B. durch Besuche oder als “Paten”. In Universitäten sollte es ein fachübergreifendes Modul geben, um Ergebnisse aus der Spitzenforschung häufiger in funktionierende Geschäftsmodelle zu übersetzen.
  • Start-ups als Kunden der öffentlichen Hand: Innovative Unternehmen, insbesondere Start-ups benötigen einen besseren Zugang zum Markt für öffentliche Aufträge. Der Staat muss bei den Eignungsanforderungen weg von einer vollständigen Risikoeleminierung hin zu einem angemessenen Risikomanagement. Derzeit setzen öffentliche Auftraggeber bei den Eignungsanforderungen an die Unternehmen aber nach wie vor auf bodenständige Werte: Es zählen langjährige Erfahrung, hohe Umsätze im betroffenen Geschäftsfeld und möglichst hohe Mitarbeiterzahlen. Dabei wird übersehen, dass klassische Bewertungsstrukturen in der digitalisierten Welt überholt sind.
  • Hubs aufbauen und unterstützen: Mit der Digital Hub Initiative wurde ein wichtiger Baustein im Aufbau deutscher Ökosysteme gelegt, auf dem weiter gebaut werden sollte. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Gründerzentren an Universitäten, die oft Anlaufstelle in der ersten Phase der Gründung sind und für die Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen.