04.09.2017Künstliche Intelligenz: Schaffung intelligenter Systeme bei Einhaltung ethischer Standards

Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt in Unternehmen, Verwaltungen und unserem täglichen Leben rasant an Bedeutung. Zwar befindet sich der Einsatz von KI-Systemen noch ganz am Anfang, jedoch konnten in den vergangenen Jahren große Fortschritte beobachtet werden. Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie, die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Zukunft tiefgreifend verändern wird.

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Dr. Mathias Weber

Bereichsleiter IT-Services Bitkom e.V.

Status Quo

  • Die KI-Forschung ist seit Ende der 1990er Jahre stark vorangeschritten, sodass KI heute bereits in vielen Wirtschaftsbereichen Anwendung findet, z. B. bei der Steuerung von Industrieanlagen, in der medizinischen Diagnostik, bei der Betreuung von Versicherungsverträgen, in der vernetzten Produktion (Industrie 4.0) oder bei der Sicherung der öffentlichen Ordnung. Dieses Leistungsspektrum wird sich in Zukunft noch deutlich ausweiten.

  • Bei der Konzeption der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO), geltend ab 28. Mai 2018, standen Big Data und KI noch nicht im Fokus. Die Auslegung für den Einsatz KI-basierter Analyseverfahren wird daher von Aufsichtsbehörden und Gerichten abhängen. Dies muss von der Politik sorgsam verfolgt werden.

  • Deutschlands KI-Forschung ist international wettbewerbsfähig. Neben der Grundlagenforschung an deutschen Universitäten genießt auch die angewandte Forschung einen exzellenten Ruf. Für KI-Anwendungen in der Wirtschaft ist eine Dynamik erforderlich, die mit der in Nordamerika und Asien mithalten kann. Für eine Vorreiterrolle bedarf es weiterer Investitionen in den KI-Bereich.

  • In der Diskussion um den KI-Einsatz muss vermieden werden, einseitig nur die Chancen oder nur die Risiken zu sehen. Wir müssen in einen gesellschaftlichen Diskurs eintreten, um die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen intelligenter Systeme zu analysieren und einen flexiblen Rechtsrahmen für KI zu schaffen.

Ziele

  • Deutschland langfristig als attraktiven Standort für KI-Technologien und intelligente Anwendungen profilieren: Es muss eine weitergehende Forschungs- und Vernetzungsinitiative etabliert werden, deren Ziel es ist, die Attraktivität des Standorts Deutschland für global tätige KI-Unternehmen zu steigern. Eine Basis dafür kann die robuste, regionale Vernetzung zwischen KI-Gründungen und Mittelständlern sein.
  • Förderansätze für KI-Geschäftsmodelle schaffen: In Zukunft müssen mehr Mittel für die Förderung von KI-Forschungsprojekten zur Verfügung gestellt sowie Anreize für Unternehmensgründungen und die Umsetzung von KI-Geschäftsmodellen geschaffen werden.
  • Ethische Standards bei KI-gestützten Entscheidungen festlegen: Es müssen Handlungsempfehlungen für Gesetzgeber, Regulierer, Wirtschaft und Gesellschaft zur Bewertung von Algorithmen und selbstlernenden Systemen entwickelt werden. Anhand dieser Empfehlungen können intelligente Systeme geschaffen werden, die die Lebenssituation der Menschen verbessern, ihre Grundrechte und Autonomie wahren und ihre Handlungsoptionen erweitern.

Politische Vorschläge

  • Ausgaben für KI-Forschung erhöhen: Im Mai 2017 wurde das Projekt »Lernende Systeme« vom BMBF eingerichtet und KI damit als einer der wichtigsten Forschungsbereiche Deutschlands anerkannt. Die staatliche finanzielle Förderung in diesem Bereich sollte sich an anderen großen Forschungszweigen sowie Wirtschaftsmächten orientieren. Der Bitkom fordert daher die Förderung von Forschung und Entwicklung in diesem Bereich in Höhe von € 4 Mrd. im Laufe der nächsten Legislaturperiode. Generell sollten Steuererleichterungen für KI-Unternehmen, -Start-ups und -Forschungszentren diskutiert werden.
  • Masterstudiengänge und Professuren im Bereich KI schaffen: Um dem künftigen Bedarf an Fachkräften gerecht zu werden und die rasante Entwicklung der Technologie zu untermauern, sollten deutschlandweit mindestens 10 KI-Masterstudiengänge und 40 PKI-Professuren geschaffen werden.
  • Digitale Ethik-Agenda entwerfen: Um das Potenzial von KI für ein gutes Leben in einer digitalen Gesellschaft zu nutzen, sollte die Politik in Partnerschaft mit der Wissenschaft eine Digitale Ethik-Agenda entwickeln.
  • KI-Forschungscluster aufbauen: Ein Forschungscluster wie der in Karlsruhe vorgesehene Hub für KI kann den in den kommenden Jahren zu erwartenden Fachkräftemangel in der KI-Entwicklung adressieren und den Einsatz von KI-Anwendungen im öffentlichen Bereich fördern.
  • Datenschutz in Europa mit Blick auf KI weiterentwickeln: Die »Regulierte Ko-Regulierung« bietet sich an, um Datenschutzvorgaben bei KI-Anwendungen am besten umzusetzen: Unternehmen entwickeln anhand von Best Practices Verhaltensregeln, die die EU-Kommission oder Aufsichtsbehörden als rechtskonform anerkennen. Nachbesserungen an der DS-GVO oder spezialgesetzliche Regelungen für KI-Forschung könnten im Falle von Einschränkungen der KI-Entwicklung (aufgrund von nicht unbedingt notwendigem Datenschutz) in Anbetracht gezogen werden.
  • Politische Rahmenbedingungen für intelligente Technologien klarstellen: Für KI und Maschinelles Lernen sollte ein strategischer Prozess der Potenzial- und Risikobeurteilung aufgesetzt werden, um wirtschafts-und standortpolitische Chancen und notwendige politische Weichenstellungen zu untersuchen und Handlungsoptionen zu bewerten.