01.02.2017Intelligente Mobilität: Regulatorischen Rahmen anpassen, Daten verfügbar machen, autonomes Fahren forcieren

Die digitale Transformation des Mobilitätsmarktes bietet aus Sicht des Bitkom viele Chancen für Umwelt, Gesellschaft und den Standort Deutschland: von innovativen Sharing-Konzepten, über intelligenten Güter- und Personenverkehr auf Straße und Schiene bis hin zum autonomen Fahrzeug. Die Digitalisierung wird Mobilität sicherer, nachhaltiger und für mehr Menschen zugänglich machen. Mit der Digitalisierung von Mobilität stehen wir vor einer Revolution im Mobilitätsmarkt, die mit der Erfindung der Dampfmaschine vor fast 250 Jahren oder der Entwicklung des Automobils, die 125 Jahre zurückliegt, verglichen werden kann. Die modernen Mobilitätswelten brauchen Innovation, Veränderung und neue Ideen. Dies alles setzt jedoch auch voraus, dass sich Rahmenbedingungen ändern oder Hemmnisse, die die Entwicklung aufhalten können, abgebaut werden.

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Mario Sela

Mobility Bitkom e.V.

Status Quo

  • Individualverkehre, Transportverkehre und der Öffentliche Personenverkehr vernetzen sich. In Projekten und Initiativen von Wirtschaft und öffentlicher Hand werden digitale Verkehrskonzepte in abgegrenzten Umgebungen getestet. Es entstehen erste Mobilitätsservices, die multimodale Reiseplanungen – meist innerhalb einer Kategorie, wie dem Öffentlichen Personenverkehr mit Schiene, ÖPNV sowie Car- und Ridesharing – ermöglichen.
  • Die ersten Schritte hin zu einem übergreifenden intelligenten Ökosystem für Mobilität in Deutschland sind getan. Mit 97% sehen fast alle Unternehmen der Automobilbranche die Digitalisierung als Chance.
  • Mobilitätsangebote finden sich nicht länger ausschließlich bei „klassischen“ Marktteilnehmern wie der Automobilindustrie oder ÖPNV-Bertreibern. Unternehmen aus der Digitalbranche, Zulieferer und Startups kommen mit digitalen Mobilitätsdiensten und neuen Technologien auf den Markt. Diese neuen Anbieter brauchen, genau wie etablierten Unternehmen, die richtigen regulatorischen und technologischen Rahmenbedingungen, um erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle entwickeln und umsetzen zu können.

Ziele

  • Intermodale Verkehrsdaten-Verbundsysteme schaffen: Künftig müssen die unterschiedlichen Verkehrssysteme wie Straße, Schiene, Wasser, Luft und ÖPNV miteinander vernetzt werden, um Kunden Planung, Buchung und Bezahlung mit einem Knopfdruck zu ermöglichen. Solche Plattformen für den Austausch von verkehrsträgerübergreifenden Daten müssen geschaffen werden, um intermodale Mobilitätkonzepte, zu denen auch Sharing-Ansätze gehören, verwirklichen zu können.
  • Autonomes Fahren als Schlüsseltechnologie etablieren: Das Autonome Fahren spielt für nahezu alle Mobilitäts-Anwendungen eine zentrale Rolle und ist insgesamt eine große Chance für die Mobilitäts-Industrie. Unternehmen aus Deutschland müssen international die Führung in der Entwicklung autonomer Fahrzeuge anstreben, um Leitanbieter bei Automatisierung und Vernetzung von Mobilität zu bleiben. Damit entsteht ein wichtiger Stützpfeiler für die Entwicklung nachhaltiger und neuer Geschäftsmodelle. Gleichzeitig werden alternative Mobilitätsmobilitätsangebote, wie ÖPNV, in ein Gesamtsystem eingebunden. Denn besonders eine mögliche Übergangsphase, in der autonome und nicht-autonome Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs sind, kann aufgrund steigenden Verkehrsaufkommens zur Herausforderung werden.
  • Mobilität durch digitale Infrastrukturen verbessern: Digitale Infrastrukturen stützen die Mobilität. Technologien wie intelligente Lichtsignalanlagen oder vernetzte Verkehrszeichen sind sicherheitsrelevante Bestandteile von Mobilitäts-Ökosystemen. Datenübertragung über die Luftschnittstelle (z.B. 5G) und glasfaserbasierte Festnetzinfrastrukturen sind dabei Voraussetzung für eine Kommunikation nahezu in Echtzeit. Es muss eine bedarfsgerechte, flächendeckende Infrastruktur entstehen, die sowohl die benötigte Bandbreite und Geschwindigkeit in der Datenübertragung als auch die Integration aller sicherheitsrelevanten Elemente (z.B. bei Car-to-Car und Car-to-Infrastructure-Kommunikation) in ein Mobilitäts-Ökosystem gewährleistet.
  • Digitale Services zu einem Ökosystem verbinden: Mit der Mobilität verbundene Systeme haben direkte Auswirkungen auf die Mobilitätsanforderungen von Menschen und Unternehmen. Digitale Infrastrukturen aus allen Bereichen, wie der intelligenten Mobilität, E-Health, Smart City/Smart Living oder E-Government müssen zu einem übergreifenden digitalen Ökosystem zusammengefügt werden.
  • Qualifizierte Digital-Expertinnen und –experten ausbilden: Für die Herausforderungen der neuen Mobilität sind Fachexpertinnen und –experten eine wichtige Voraussetzung. Konzerne, nationale und regionale mittelständische Unternehmen sowie Startups sind auf qualifizierte Digital-Fachkräfte angewiesen

Politische Vorschläge

  • Offenen und innovationsfreundlichen Rechtsrahmen schaffen: Ein offener Rechtsrahmen für Daten und innovative Personenbeförderungskonzepte ist die Basis für übergreifende, digitale Mobilitätsplattformen. Mobilität wird nicht von Ländergrenzen eingeschränkt. Deshalb muss dieser Rechtsrahmen sowohl national weiterentwickelt werden als auch international anschlussfähig sein.
    • Die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Erhebung, Auswertung und Nutzung von Mobilitätsdaten müssen so gestaltet sein, dass – unter Wahrung von Datenschutz und Datensicherheit – datenbasierte Geschäftsmodelle im Bereich digitale Mobilität entwickelt und umgesetzt werden können.
    • Ein angepasster Rechtsrahmen für die Personenbeförderung ermöglicht innovative wirtschaftliche Geschäftsmodelle, z.B. im Bereich Ridesharing.

  • Digitale Testfelder fördern: Der Ausbau Digitaler Testfelder als Erprobungslabore für digitale Geschäftsmodelle leistet einen wichtigen Beitrag zur Mobility-Kompetenz deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
  • Regulatorische Experimentierräume ermöglichen: Regulatorische Ausnahmeregelungen für Digitale Testfelder erleichtern Organisationen den Zugang und senken die Schwelle, neue Mobilitäts-Konzepte zu testen.
  • „Digital Hubs Germany“ stärken: Die weitere Förderung des Hub-Konzeptes unterstützt die deutsche Mobilitäts-Industrie bei der Digitalen Transformation.
  • Grundvoraussetzungen für intelligente Mobilität schaffen: Der forcierte Ausbau schneller Datennetze, wie 5G oder Glasfaser, schafft eine infrastrukturseitige Basis für neue Geschäftsmodelle für intelligente Mobilität. Die umfassende Förderung der Digital-Qualifizierung aller Beteiligten (z.B. Mitarbeiter/innen, Führungskräfte, politisch Verantwortliche), die an der Entwicklung digitaler Mobilitätskonzepte mitwirken, soll ausgebaut werden. Dies gilt sowohl für die schulische, berufliche und universitäre Ausbildung, als auch für die stetige Weiterqualifikation im Laufe des Berufslebens.