22.03.2017Energiepolitik - der Energiewende digital zum Durchbruch verhelfen

Deutschland ist weltweit Vorreiter bei der Umstellung hin zu einem nachhaltigen Energiesystem. Nach 15 Jahren technologischem Fortschritt durch das EEG sind die Erneuerbaren Energien bei Kraftwerksneuinvestitionen wettbewerbsfähig. Jetzt muss durch das digitale Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch, Netz und Speichern ein stabiles, nachhaltiges und bezahlbares Gesamtsystem entstehen. Die Digitalisierung ist Eckstein der Energiewende. Sie hilft den Energieverbrauch zu flexibilisieren und Netze zu stabilisieren. Gelingt dies zügig, entstehen weltweite Exportchancen für Energiewendetechnologie aus Deutschland. Die ITK-Branche hat die notwendige Kommunikationstechnologie und Expertise in der IT-Sicherheit, um diese Transformation der Infrastruktur erfolgreich zu gestalten.

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Robert Spanheimer

Referent Smart Grids & Smart Home Bitkom e.V.

Status Quo

  • Deutschland hat mit dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende eine wichtige Grundlage für eine vernetzte Energiewelt gelegt. Die Spezifikation der Zugangsgeräte für das Intelligente Energienetz, die intelligenten Messsysteme, beschäftigt eine kaum überschaubare Anzahl von Stellen im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der Bundesnetzagentur (BNetzA), der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt sowie Energieverbänden und ist aktuell noch immer nicht abgeschlossen.
  • Der regulatorische Rahmen, der determiniert wie der anstehende Verteilnetzausbau durch den Einsatz von Flexibilität in Verbrauch und Erzeugung reduziert werden könnte, fehlt.
  • Deutschland investiert jährlich Milliarden in die Energieforschung. Junge Unternehmen sehen sich bei der Umsetzung in Produkte und Dienstleistungen dann aber mit vielen regulatorischen Hürden konfrontiert. Die Abwanderung in Staaten mit flexibleren Rahmenbedingungen droht. Das Problem ist systemisch: Es gab auch keine konventionelle Energietechnologie, die von Anfang an in den regulatorischen Rahmen des Energiesystems gepasst hätte.
  • Erfolgreiche digitale Produkte wie zum Beispiel soziale Netzwerke sind personalisiert und setzen auf Communities und Interaktion. Strom als Produkt soll nach Willen der Regulierung dagegen einheitlich und effizient von einem möglichst großen europäischen Markt kommen. Partizipative Produkte, die lokale Erzeugung und Verbrauch abstimmen ( »peer-to-peer-energy«), sind in diesem regulatorischen Rahmen nur sehr unvollständig umsetzbar.

Ziele

  • Einheitliche Anlaufstelle schaffen: Es sollte eine einheitliche behördliche Anlaufstelle im BMWi geschaffen werden, die alle Fragen der Digitalisierung der Energiewende bearbeiten und beantworten kann.
  • Intelligente Messsysteme voranbringen: Intelligente Messsysteme können nicht nur Strom, sondern auch Heizwärme, Gas und Wasser erfassen. Das verbessert das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Kunden, hilft Energie zu sparen und das Energiesystem zu flexibilisieren. Um aber der Wirtschaftlichkeit Rechnung zu tragen, sind insbesondere für die intelligenten Erfassungs- bzw. Verteilsysteme im Bereich der Wärme deren Spezifika sowie deren Schutzbedarf zu berücksichtigen.
  • IT- und Flexibilitätslösungen effizient zum Ausbau der Verteilernetze nutzen: Die intelligente Einbindung von Speichern und flexibler Nachfrage ist kostengünstiger als der klassische Verteilnetzausbau.
  • Bessere Rahmenbedingungen für Einspeisung von innovativen Ideen: Die Bundesregierung sollte ihr Engagement für ITK in der Energieforschung weiter ausbauen. Unternehmen mit technisch viel versprechenden Ideen müssen künftig nach Abschluss ihrer Entwicklungstätigkeit einen strukturierten Prozess vorfinden, wie diese in den regulatorischen Rahmen des Energiesystems eingepasst werden. Verbraucher, Betreiber von EEG-Anlagen, Speicher und andere Technologien sollten in der Lage sein, direkt miteinander in eigenen Communities Strom auszutauschen und abzurechnen (peer-to-peerenergy). Sie sollten ihre Flexibilität auf verschiedenen Märkten, allein oder über Dienstleister vermarkten können. Hierfür sind intelligente IKT-Lösungen notwendig, die die Branche anbietet oder entwickeln kann. Ab 2020 aus der EEG-Förderung fallende Anlagen finden so eine sinnvolle Anschlussnutzung. Für die Teilnahme sollte es unerheblich sein, ob jemand Hauseigentümer oder Mieter ist.
  • Intelligente Ladeinfrastruktur für E-Mobile schaffen und so die Mobilitätsziele der Bundesregierung verwirklichen.

Politische Vorschläge

  • Einheitliche Stelle einrichten: Das mit Energiefragen befasste Ministerium sollte eine Stelle für alle Fragen der digitalen Energiewende einrichten, die alle zuständigen Behörden koordiniert.
  • Verteilnetzbetreiber müssen Flexibilitäts-Produkte zur Reduzierung von Netzausbau ausschreiben.
  • »Regulatorischen Accelerator« etablieren: Das für Energiepolitik verantwortliche Ministerium sollte eine systematische Nachwuchsförderung aufsetzen. Dafür würde sich ein jährlicher Wettbewerb eignen, in dem die besten technischen Lösungen für die Energiewende prämiert werden. Für Pilotprojekte sollten regulatorische Experimentierräume geschaffen werden ( »Regulatorischer Accelerator«). Die dabei gewonnen Erkenntnisse müssen rasch in den allgemeinen Rahmen des Energiemarkts übernommen werden.
  • Direkten Austausch von Energiemengen ermöglichen: Der regulatorische Rahmen für den direkten Austausch von Energiemengen in »peer-to-peer«-Communities muss schnellstmöglich geschaffen werden. Jede Möglichkeit zur Teilnahme am Energiesystem, etwa durch Installation von Solaranlagen oder durch Installation eines eigenen Elektromobil-Ladepunktes, sollte dabei auch Mietern und nicht nur Eigentümern offenstehen.
  • Errichtung von Ladepunkten für PKW im privaten Bereich erleichtern und fördern.