23.01.2017Digitale Bildung – Das deutsche Bildungssystem digitalisieren.

Digitale Kompetenz und digitale Exzellenz sind essentiell für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Doch internationale Vergleichsstudien zeigen: Deutschland liegt hier nur im Mittelfeld. Dies betrifft Schule, Hochschule und Berufsausbildung, aber auch die Bereiche der Weiterbildung und Umschulung. In der digitalen Welt wird zukünftig nur noch derjenige bestehen können, der über digitale Kompetenzen verfügt und mit den rasanten technologischen Entwicklungen Schritt halten kann. Digitalisierung als Querschnittsthema erfordert daher eine breit angelegte digitale Grundbildung, um eine digitale Spaltung – im beruflichen wie im privaten Bereich – zu verhindern. Die Überführung deutscher Bildungseinrichtungen in die digitale Welt dient der gesamten Gesellschaft: Dem Einzelnen hinsichtlich langfristiger Beschäftigungsfähigkeit mit vielfältigen Entwicklungs- und Karrierechancen, gleichermaßen der Wirtschaft mit Blick auf Standortqualität, Leistungs- und Innovationsfähigkeit.

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Juliane Petrich

Leiterin Bildung Bitkom e.V.

Status Quo

  • Die Digitalisierung verändert unsere Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft insgesamt grundlegend. Digitale Kompetenz wird zur Kernkompetenz quer durch alle Berufe. Das deutsche Bildungssystem bereitet auf diese Veränderungen nicht ausreichend vor.
  • Wer den Umgang mit digitalen Technologien lernen soll, benötigt moderne Geräte und einen schnellen Zugang zum Netz. Beides sind notwendige Voraussetzung für gutes Lernen mit digitalen Medien. Insbesondere in den Schulen besteht hier großer Nachholbedarf.
  • Deutschland mangelt es an IT-Fachkräften. Das gilt nicht nur für die IT-Branche, sondern immer mehr auch für die sogenannten Anwenderbranchen. Dieser Trend wird sich im Zuge der digitalen Transformation weiter verschärfen.
  • Digitale Technologien bieten enorme Potenziale für das lebensbegleitende Lernen über alle Altersgruppen hinweg. Sie ermöglichen flexibles, zeit- und ortsunabhängiges Lernen, erleichtern individuelles und vernetztes Lernen, unterstützen Inklusion und verbessern Qualität, Flexibilität sowie Chancengerechtigkeit im Bildungssystem. Diese Vorteile werden in Deutschland allerdings nur in Ansätzen genutzt.

Ziele

  • Digitale Kompetenz: Der kompetente Umgang mit digitalen Technologien und der Aufbaus einer grundständigen IT-Kompetenz müssen integraler Bestandteil heutiger Bildungsziele werden und vor dem Hintergrund des lebensbegleitenden Lernens in der Bevölkerung und allen Organisationen verankert sein.
  • Digitale Infrastruktur: Deutschland muss zu den Spitzenreitern bei der digitalen Infrastruktur im Bildungsbereich gehören. Dafür ist die Bereitstellung von technischer Infrastruktur und mobilen Endgeräten in allen Bildungsbereichen sicherzustellen.
  • Digitale Medien: Digitale Medien müssen in allen Bildungseinrichtungen ankommen – als didaktisches Instrument, aber auch als Gegenstand des Lehrens und Lernens.
  • Chancengerechtigkeit: Die Heterogenität der Lernenden muss im Bildungssystem stärker berücksichtigt werden. Gerade Digitale Bildung bietet enorme Potenziale, um eine Chancenangleichung für benachteiligte Gruppen wie Menschen mit Behinderungen, Migranten und Flüchtlinge herzustellen.

Politische Vorschläge

  • Curriculen und Lehrpläne anpassen: Der Erwerb von digitaler Kompetenz muss durch die fächerübergreifende curriculare Verankerung digitaler Bildungsinhalte und digitaler Technologien gewährleistet werden. Die Bildungspläne der Länder wie auch die Ausbildungs- und Studienordnungen müssen für die Digitalisierung fit gemacht werden.
  • Digitale Infrastruktur bereitstellen: An allen Bildungseinrichtungen muss eine intelligente Infrastruktur geschaffen werden. Dafür müssen der flächendeckende Breitbandausbau und die mobile Netzabdeckung weiter vorangetrieben werden. In allen Bildungsbereichen, in denen Lernmittel staatlich finanziert werden, müssen Lernende und Lehrende mit mobilen Endgeräten ausgestattet werden. Auch Cloud-Dienste für digitalisierte Bildungsinhalte und individualisierte Lernanwendungen müssen vorhanden sein.
  • Investitionen steuerlich fördern: Für die Wirtschaft müssen steuerliche Anreize bei Investitionen in die Digitale Bildung gesetzt werden. Das gilt zum einen für die Infrastruktur und die Ausstattung mit Endgeräten. Zum anderen gilt dies auch für die Content-Entwicklung, die Qualifizierung der Bildungsverantwortlichen sowie sämtliche Produkte und Dienstleistungen, die zum pädagogischen Einsatz kommen oder diesen unterstützen.
  • Informatikunterricht verpflichtend einführen: In allen Schularten sollte Informatikunterricht (inkl. Programmieren) als Pflichtfach ab Jahrgangsstufe 5 mit mindestens einer Wochenstunde realisiert werden. In der gymnasialen Oberstufe muss es den Lernenden möglich sein, Informatik zu wählen und gleichwertig in die Abiturprüfung einzubringen. Auch Englisch als Lingua franca der digitalen Welt muss spätestens ab der ersten Grundschulklasse unterrichtet werden.
  • Berufliche Bildung weiterentwickeln: Die berufliche Bildung muss mit Blick auf immer neue Berufsanforderungen kontinuierlich weiterentwickelt und dynamisiert werden, um die Attraktivität und Relevanz der veränderten Berufswelt (z.B. App-Economy) zu verdeutlichen. Neben Medien- und IT-Kompetenz müssen dafür auch Methoden- und Problemlösekompetenz stärker gefördert werden.
  • Lehrpersonal für Digitalisierung fit machen: Die Entwicklung digitaler Kompetenz sowie didaktisch-methodischer Fähigkeiten müssen verbindlicher Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung des Lehrpersonals an Schulen, Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen sein.
  • Digitale Weiterbildungsangebote schaffen: Es müssen flexiblere und individuellere Wege digitaler Weiterbildung geschaffen werden. Dabei muss auch die Übersichtlichkeit und Qualität von Weiterbildungsangeboten kontinuierlich verbessert und vorausschauend an die sich stetig wechselnden Anforderungen angepasst werden.
  • Zulassungsprozesse vereinfachen: Die Zulassungsprozesse von Lehr- und Lernmaterialien müssen insgesamt verschlankt werden und sollten für den Einsatz digitaler Lernmaterialien entsprechend angepasst werden.
  • Kooperationsverbot aufheben: Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern muss aufgehoben werden, um die Bildungsherausforderungen langfristig bewältigen zu können.