23.01.2017Arbeit 4.0 – Die deutsche Arbeitswelt zukunftsfähig gestalten.

Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Das betrifft Arbeitsformen, Arbeitsinhalte und Berufsbilder. Mit den Arbeitsinhalten verändern sich auch die Anforderungen an Arbeitnehmer. Zukünftig wird auf dem Arbeitsmarkt nur derjenige bestehen, der über digitale Kompetenzen verfügt und mit den rasanten technologischen Entwicklungen Schritt halten kann. Dafür sind Maßnahmen zu ergreifen, die den vielfältigen Herausforderungen, bedingt durch den digitalen, kulturellen oder demografischen Wandel, Rechnung tragen. Relevante Handlungsfelder liegen vor allem in den Bereichen allgemeine Bildung und Weiterbildung, Fachkräftesicherung und Arbeitsrecht, einschließlich Regelungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Weichen, die wir heute stellen, werden maßgeblich über die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland entscheiden.

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Adél Holdampf-Wendel

Bereichsleiterin Arbeitsrecht und Arbeit 4.0 Bitkom e.V.

Status Quo

  • Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft wird neue Berufe schaffen, bestehende verändern oder ersetzen. Körperlich anstrengende und zum Teil auch gefährliche Arbeiten – etwa in der Produktion – werden zukünftig noch weiter reduziert werden können. Arbeitsplätze werden insbesondere in technischen, wissensintensiven, kreativen und sozialen Berufen geschaffen sowie im Bereich der neuen Geschäftsmodelle und Plattformen.
  • Die sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse nehmen zu. Digitale Geschäftsmodelle, Plattformen und Services schaffen neue (disruptive) Erwerbsformen wie das Crowdworking. Sie sind gekennzeichnet durch sehr flexibles und individuell bestimmbares Arbeiten. Auch bei den Arbeitnehmern besteht der Wunsch nach mehr Arbeitszeitsouveränität. Neue Technologien ermöglichen es den Mitarbeitern zu arbeiten, wann und wo sie wollen. Zu den Trends gehören die gemeinsame Nutzung von Büros (Office-as-a-Service), Home-Office-Lösungen sowie virtuelle Kooperationen und Kollaboration. Durch entsprechende neue Arbeitsmodelle lassen sich familiäre, private und berufliche Belange wesentlich besser vereinbaren. Mit Blick auf diese Vielfalt an neuen Möglichkeiten besteht beim rechtlichen Rahmen Anpassungsbedarf.
  • Deutschland mangelt es an Fachkräften. Derzeit fehlen rund 51.000 IT-Spezialisten. Dieser Trend wird sich weiter verschärfen. Das gilt nicht nur für die IT-Branche, sondern immer mehr auch für die sogenannten Anwenderbranchen, z.B. im Maschinenbau oder bei Banken und Versicherungen.

Ziele

  • Digitale Kompetenz: Der Erwerb digitaler Kompetenz sollte zu einem zentralen und messbaren Erfolgsfaktor in unserem Bildungssystem werden, von der Schule über die Ausbildung bis hin zur Hochschullehre und betrieblichen Weiterbildung.
  • Zukunftsorientierter Rechtsrahmen: Der arbeitsrechtliche Rahmen soll dem zunehmenden Wunsch der Arbeitnehmer nach Individualisierung Rechnung tragen. Für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollen (lebensphasenorientiert) neue Formen der Arbeits- und Arbeitszeitgestaltung rechtlich ermöglicht werden.
  • Verbesserung der Fachkräftesituation: Die Digitale Transformation praktisch aller Branchen in Deutschland wird dazu führen, dass die Nachfrage nach IT-Fachkräften weiter steigen wird. Um dem entgegenzuwirken, müssen die Potentiale im Land besser ausgeschöpft werden.

Politische Vorschläge

Arbeitsrecht

  • Digitalwirtschaft von Einschränkungen des Fremdpersonaleinsatzes ausnehmen: Die Digitalwirtschaft muss grundsätzlich von den neuen Einschränkungen bei Arbeitnehmerüberlassung und Werkverträgen ausgenommen werden. Vielmehr sollte sich die Evaluation im Jahr 2020 auf jene Branchen konzentrieren, in denen prekäre Arbeitsverhältnisse vorherrschen.
  • Flexible Arbeitszeiten ermöglichen: Das Arbeitszeitgesetz muss flexibler ausgestaltet werden. Die gesetzlich vorgeschriebene elfstündige Ruhepause ist beispielsweise nicht mehr zeitgemäß und steht dem Wunsch nach souveräner Arbeitszeitgestaltung entgegen.
  • Mitbestimmung und Arbeitsschutz zeitgemäß gestalten: Die betriebliche Mitbestimmung muss dem Wandel der Arbeit Rechnung tragen und entsprechend angepasst werden. Zudem können flexible Arbeitsplätze nicht nach den gleichen Maßstäben beurteilt werden wie der Arbeitsplatz in den Räumlichkeiten eines Arbeitgebers.

Aus- und Weiterbildung, Qualifizierung

  • Digitale Kompetenz fördern: Der Grundstein zum Erwerb digitaler Kompetenz muss in der Schule gelegt und ein Leben lang weiterentwickelt werden. Die Bildungspläne der Länder müssen für die Digitalisierung fit gemacht werden.
  • Ausbildung zukunftsfähig gestalten: Die Zukunft der Berufe muss weiter erforscht werden, um Orientierungsangebote schaffen zu können.
  • Weiterbildungsangebote verbessern: Die Übersichtlichkeit und Qualität von Weiterbildungsangeboten muss kontinuierlich verbessert und vorausschauend an die sich stetig wechselnden Anforderungen angepasst werden.

Fachkräftesicherung

  • Potentiale nutzen: Bereits in den Schulen muss der Nachwuchs für technische Berufe begeistert werden. Mehr Frauen müssen in die IT geholt und erfahrene Mitarbeiter in der IT gehalten werden.
  • Arbeitsmarktzugang erleichtern: Zur operativen Erleichterung von Zuwanderung muss das Zuwanderungsgesetz angepasst werden. Hierfür ist es erforderlich, sprachliche und inhaltliche Barrieren möglichst schnell und unbürokratisch abbauen zu können. Grundsätzlich sollte ein uneingeschränkter Zugang zum Arbeitsmarkt für Einwanderer und Geflüchtete gestattet werden.