02.12.2014 Industrie 4.0 – Herausforderung und Chance für die deutsche Wirtschaft

Im Privatleben ist diese Tatsache schon seit vielen Jahren allgegenwärtig: Durch das Internet verschmelzen reale und virtuelle Welt. Neu ist, dass diese Entwicklung zusehends auch Einzug in industrielle Prozesse hält. Hier bahnt sich der nächste technologische Quantensprung an. Das Stichwort lautet Industrie 4.0. Diese vierte industrielle Revolution verknüpft Fertigung und Informationstechnologie, indem zum Beispiel auf der vertikalen Ebene Maschinen, Produktionsanlagen und Lagersysteme zunehmend Informationen untereinander austauschen, Aktionen initiieren oder sich selbst steuern. Und das ist nur der Anfang: Horizontal lassen sich diese Systeme nahtlos zur Lieferkettensteuerung oder für verbesserte Wertschöpfungsketten nutzen.

Möglich macht dies alleine die stetig fortschreitende Vernetzung. Die Erwartungshaltung an Industrie 4.0 ist enorm. Experten versprechen sich spürbare volkswirtschaftliche Effekte, sie erwarten für Deutschland ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von rund 78 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025. Keine Frage, Industrie 4.0 verändert das gesamte Ökosystem aus Mensch, Technik und Organisation. Als Fabrik der Zukunft stellt etwa eine Smart Factory eine Produktionsumgebung zur Verfügung, in der sich Fertigungsanlagen und Logistiksysteme auf Basis so genannter cyber-physischer Systeme weitgehend selbst organisieren. Geschäftsprozesse werden dadurch insgesamt flexibler, und Fertigungsketten lassen sich als kooperierende Wertschöpfungsketten über mehrere Unternehmen hinweg optimieren.

Der Wandel erstreckt sich auch auf das Verständnis von Produkten: Sie werden „hybrid“. Automobilhersteller bieten dann nicht mehr nur Fahrzeuge, sondern Mobilität als Service an. Autos melden Störungen und Wartungsbedarf selbst, Reparaturaufträge laufen automatisiert ab. Möglich macht das die Verknüpfung von Herstellern, Fahrern und Werkstätten mit dem Ziel eines gemeinsamen Service-Managements. Industrie 4.0 braucht qualifiziertes Personal

Neben der Technologie steht aber auch der Mensch stets im Fokus: Gebraucht werden qualifizierte Ingenieure und IT-Spezialisten. Für sie sind einerseits entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote zu schaffen, andererseits aber auch Karrierewege und Jobprofile neu zu definieren. Denn in der Qualifizierung liegt der Schlüssel zum erfolgreichen Aufbruch in die Industrie 4.0. Die wohl größte Chance durch die vierte industrielle Revolution liegt aber wohl darin, dass sich mit ihr der Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig stärken lässt – damit dieser auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt. Diese Chance sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Dieser Text erschien zuerst in einer Handelsblatt-Beilage.

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