Consumer Electronics

Zeitenwende im Markt für Unterhaltungselektronik

Berlin, 23. August 2011 - Der Markt für Unterhaltungselektronik ist im Umbruch. „Die Digitalisierung ist weitgehend abgeschlossen, der neue Megatrend ist Connectivity“, beschreibt Ralph Haupter vom BITKOM-Präsidium die Entwicklung. Connectivity steht für die Vernetzung von Geräten, die bislang isoliert eingesetzt wurden. So überholen internetfähige TV-Geräte in diesem Jahr beim Umsatz erstmals die Fernseher ohne Web-Zugang. Gleichzeitig geraten einzelne Produkte wie Navigationsgeräte, MP3-Player oder DVD-Recorder unter Druck. Das gab der Hightech-Verband BITKOM im Vorfeld der IFA bekannt. „In der Unterhaltungselektronik findet eine Zeitenwende statt“, so Haupter. Klassische Geräte der Consumer Electronics (CE) erhalten entweder zusätzliche IT-Features, beispielsweise der Fernseher einen USB- oder Netzwerkanschluss. Gleichzeitig gibt es Verdrängungsprozesse, indem Geräte wie MP3-Player oder Videokameras immer häufiger durch Tablet-PCs, Smartphones und Co. ersetzt werden.

Einen Boom gibt es derzeit bei internetfähigen TV-Geräten, den so genannten Connected TVs. Sie kamen erst Ende 2008 auf den Markt. Mittlerweile ist jeder dritte verkaufte Fernseher internetfähig. Der Umsatz steigt in diesem Jahr um ein Viertel auf 3 Milliarden Euro, der Absatz gar um 60 Prozent auf 3,5 Millionen Geräte. Mit Fernsehern ohne Internet-Anschluss werden nur noch 2,7 Milliarden Euro umgesetzt. Ein Vorteil der internetfähigen Geräte: Bislang waren die Funktionen von Fernsehern und Receivern unveränderlich beim Kauf festgelegt, heute können ihre Funktionen dank Apps und Updates vom Verbraucher nachgerüstet werden. Für jeden zweiten Verbraucher ist ein Internetanschluss beim TV-Erwerb mittlerweile kaufentscheidend. Ähnlich viele legen auf einen USB-Anschluss großen Wert. Das ergab eine aktuelle Verbraucherumfrage im Auftrag des BITKOM. Mit dem Trend zu Connected TV ändert sich auch der Fernsehkonsum: Es wird mehr online TV gesehen. Laut Umfrage schaut heute schon fast jeder Dritte gelegentlich Fernsehen auf seinem PC oder Laptop, jeder neunte auf seinem Handy oder Tablet-PC.

Allerdings drückt der scharfe Preisdruck bei TV-Geräten insgesamt auf den CE-Markt. Fernseher stehen beinahe für die Hälfte des Gesamtmarktes. Zwar steigt der TV-Absatz 2011 um 3,7 Prozent auf 9,4 Millionen Geräte. Das sind rund 350.000 Geräte mehr als im Rekordjahr 2010. Allerdings zahlen die Verbrauchen in diesem Jahr im Schnitt nur noch 609 Euro für ihren Flachbildfernseher, knapp 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Hauptgrund sind Preiskämpfe im Handel. Das Volumen des Marktes für TV-Geräte sinkt trotz Mengenwachstums um 6,3 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Daher wird sich das Volumen des deutschen CE-Marktes in diesem Jahr voraussichtlich auf 12,3 Milliarden Euro belaufen, ein Rückgang von 5,3 Prozent gegenüber 2010.

Durchgesetzt hat sich in Deutschland der DVD-Nachfolger Blu-ray. Die Nachfrage wird getrieben durch den Wunsch nach Full-HD und 3D- Wiedergabe. Der Markt wächst um 45 Prozent auf 270 Millionen Euro. Der Preisabstand zwischen Blue-ray- und DVD-Playern ist geschrumpft: Blue-ray-Player kosten 2011 im Schnitt 160 Euro, DVD-Spieler 100 Euro.

Trotz Handykameras bleibt der Markt für digitale Fotoapparate stabil bei 1,8 Milliarden Euro. Verbraucher investieren in hohe Bildqualität. Es gibt einen starken Trend zu Kompaktkameras mit Wechseloptik.

Haupter: „Der deutsche Markt für Unterhaltungselektronik schrumpft zwar in diesem Jahr, er entwickelt sich jedoch besser als der EU-Markt.“

Zur Methodik: Die Marktzahlen stammen vom European Information Technology Observatory (www.eito.com). EITO liefert aktuelle Daten zu den weltweiten Märkten der Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. EITO ist ein Projekt der Bitkom Research GmbH und arbeitet mit den Marktforschungsinstituten IDATE, IDC und GfK zusammen. Die repräsentative Verbraucherumfrage hat das Institut Aris im BITKOM-Auftrag durchgeführt, befragt wurden im Mai 1.003 Deutsche ab 14 Jahren.
 

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