Technik

Mit der vernetzten Fabrik zur vollautomatisierten Fertigung

Berlin/Hannover, 5. April 2011 - Die industrielle Fertigung ändert sich derzeit dramatisch. IT-Komponenten halten Einzug in immer mehr Maschinen und Anlagen und werden miteinander vernetzt. „In vielen Industriezweigen gibt es einen klaren Trend zur so genannten Vertikalen Integration, also zum direkten und automatisierten Austausch von Informationen zwischen der betrieblichen Ebene und der eigentlichen Produktionssteuerung“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer anlässlich der Hannovermesse. Die weltgrößte Industriemesse steht in diesem Jahr unter dem Motto „Smart Efficiency“.

Der Druck der Kunden zwingt viele Industriebetriebe zu einer erhöhten Automatisierung ihrer Produktion. „Eine vollautomatisierte Fertigung braucht eine vollvernetzte, clevere Fabrik“, sagte Scheer. Darin liegt auch eine Chance für deutsche Unternehmen. „Durch die Vernetzung entstehen hoch komplexe Anlagen, und deren Handhabung ist eine traditionelle Stärke deutsche Ingenieurskunst“, so Scheer. Zudem steigt die Energie-Effizienz einer solchen Fertigung.

„Wir erleben derzeit die dritte Welle der Konvergenz: IT und Telekommunikation sind zusammengewachsen, danach wurde die Unterhaltungselektronik integriert, nun nähern sich ITK und Fertigungsindustrie an“, sagte Scheer. Heute werden über 98 Prozent aller produzierten Chips in so genannte Eingebettete Systeme (ES) eingebaut. Das sind insbesondere Mikrocomputer, die meist unsichtbar in Geräten, Maschinen, Anlagen oder Autos integriert werden. In Anlagen steuern sie beispielsweise Motoren für Werkzeuge oder Ventile. Sie überwachen – vernetzt mit Sensoren der Maschine – selbst die Fertigung oder ermöglichen eine vollautomatische Qualitätskontrolle der Produktion. „Eingebettete Systeme sind die Hidden Champions der deutschen Industrie. Sie haben eine herausragende Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland, doch ihre Bedeutung wird hierzulande leider komplett unterschätzt“, sagte Scheer. Anstehende Infrastrukturprojekte wie die geplanten intelligenten Energienetze kämen ohne vernetzte Eingebettete Systeme und deren Kopplung mit Anwendungssoftware nicht zustande. Eingebettete Systeme steuern beispielsweise Windkraftanlagen und sind Kern intelligenter Strommessgeräte, die es bald in jedem Haushalt gibt. 

Das Marktvolumen für Eingebettete Systeme in Deutschland wird 2011 voraussichtlich deutlich über 19 Milliarden Euro liegen. Der Anteil spezialisierter Anbieter beträgt dabei bis zu 4 Milliarden Euro. Weitere 15 Milliarden Euro werden von Unternehmen generiert, die eingebundene Systeme als Teil größerer Geräte herstellen. Dort sind rund 250.000 Arbeitnehmer unmittelbar mit Eingebetteten Systemen befasst. Der Markt hat sich in den vergangen Jahren mit stabilen Zuwachsraten von bis zu 8 Prozent pro Jahr entwickelt.

Auch auf das laufende Geschäftsjahr blicken die Anbieter Eingebetteter Systeme sehr zuversichtlich: Vier von fünf Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen – im Schnitt um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als jedes zweite Unternehmen (56 Prozent) will in diesem Jahr zusätzliche Stellen schaffen, 38 Prozent wollen die Mitarbeiterzahl konstant halten. Das hat eine aktuelle BITKOM-Umfrage ergeben. Insbesondere in der Energieversorgung sowie dem Maschinen- und Fahrzeugbau rechnen die Anbieter mit steigender Nachfrage nach Embedded Systems und entsprechenden Dienstleistungen.

 

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